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"Sprache ist der Schlüssel zur Welt." (Wilhelm von Humboldt)

"Sprache ist der Schlüssel zur Welt." - Ja, natürlich, denken wir da. Vor zwei Jahrhunderten so relevant und richtig wie heute. Nein, eigentlich ist sie heute noch relevanter und wichtiger. Moderne Kommunikationsmittel und die schier endlose Mobilität von Waren, Personen und Dienstleistungen lassen einzelne Orte für sich genommen bedeutungslos werden. Vielmehr zählt das Netzwerk aus Prozessen, Verfahren, Waren- und Finanzströmen. 

Doch Moment: Wo bleibt dabei die Sprache? 

Nun, genauer genommen gibt es sie ja nicht, die eine Sprache. Und nein, die englische Sprache als Lingua Franca, ist nicht DIE eine Sprache. Warum? Ganz einfach. Beim Erlernen einer Fremdsprache lernt der Schüler, sich verständlich zu machen. "Wo geht es zum Hauptbahnhof?" heißt ... auf ... 

So lange Sprache auf dieser simplen Ebene bleibt, ist noch alles gut. Wird sie aber komplexer, kommt es etwa auf die Feinheiten an, z. B. in einer Verhandlung, sieht die Sache schon anders aus. "In größeren Runden reden dann plötzlich nur noch die, die gut Englisch sprechen und nicht die, die fachlich Ahnung haben", sagt Reiner Pogarell, Betriebslinguistiker und Unternehmensberater1.

In größeren Runden reden dann plötzlich nur noch die, die gut Englisch sprechen und nicht die, die fachlich Ahnung haben. (Reiner Pogarell)

Jetzt fragen Sie sich vielleicht: Moment, aber was ist bei einem Dolmetscher anders? Ganz einfach, gut ausgebildete Dolmetscher haben im Ausland gelebt, die Kultur (oder oft Kulturen) des anderen Landes während des Studiums bzw. in Rahmen von Praktika aufgesogen, analysiert und verinnerlicht. Zudem regieren sie als Sprachpuristen sehr sensibel auf das, was der Redner eben vielleicht nicht sagt, aber zwischen den Zeilen mitschwingt. Es sind am Ende des Tages eben genau diese Feinheiten, die Transaktionen oder Verhandlungen erfolgreich machen.

Warum scheitern so viele Übernahmen oder Fusionen? Wegen unterschiedlichen Herangehensweisen, Aneinandervorbeireden, fehlender oder defizitärer Kommunikation und - ja - dem fehlenden Feingefühl und Verständnis für die vielen Kulturebenen auf der anderen Seite, die des Landes, des Unternehmens, der Abteilung, der Branche, des Einzelnen. 

Der niederländische Forscher Geert Hofstede2 definierte im Nachgang zu umfangreichen Unternehmensbefragungen in mehr als 40 Nationen die so genannten Kulturdimensionen, Neben Machtdistanz, Individualismus vs. Kollektivismus, Maskulinität vs. Feminität finden sich Unsicherheitsvermeidung und eine langfristige vs. kurzfristige Orientierung. Schaut man sich die Zahlen3 genauer an, wird schnell klar: Keine Kultur ist wie die Andere. Geografische Nähe bedeutet alles Andere als Vergleichbarkeit. 

Dieser Blog beschäftigt sich nicht mit "Geschichten aus dem Nähkästchen" eines Dolmetschers, sondern vielmehr mit dem Spannungsverhältnis zwischen Sprache, Kultur und Kommunikation im unternehmerischen Handeln. 

1 Pogarell, R. in Gentner, Stefanie (2010): "Schlechtes Deutsch ist besser als gutes Englisch", Süddeutsche Zeitung. (http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/beispiel-porsche-sprache-in-firmen-schlechtes-deutsch-besser-als-gutes-englisch-1.292633, Zugriff am 15. Februar 2015)

2 Hofstede, G.(2001) in Zentrum für interkulturelles Management (http://www.interkulturelles-management.com/nationale-kultur/kulturdimension/hofstede.html, Zugriff am 15. Februar 2015).

3 Clearly Cultural, http://www.clearlycultural.com/geert-hofstede-cultural-dimensions/power-distance-index/, Zugriff am 15. Februar 2015.